Donnerstag, 4. November 2010

U-Bahn-Fahrer

Ein gewöhnlicher Donnerstag in einer gewöhnlichen Woche im November. Der Tag war grau und nass und irgendwie warm. An den Bäumen hängen fast keine Blätter mehr, die die sich noch einsam im Wind wiegen sind ganz gelblich-braun und haben all ihren schönen herbstlichen Glanz verloren. Am Bahnhof stehen mehr Menschen als sonst. Es hat geregnet. In der U-Bahn drängen sie sich dicht an dicht, jeder Platz ist besetzt.

Da sitzt die Studentin, mit den Ohrschützern-ähnlichen-riesen-Hörern, einem Buch auf den Schoß, der Blick schweift immer wieder umher. Neben ihr sitzt die Geschäftsfrau mit der großen Aktentasche auf dem Schoß, das Eierphone in der einen Hand, das Notizbuch in der anderen. Dann klingelt das Telefon und "plapperdiplapperdiplapperplapper". Entnervt schielt der Professor neben ihr über seine französische Zeitung und die Lesebrille. Aus seiner Tasche lugt eine Thermoskanne mit einem "Atomkraft Nein Danke"-Aufkleber.

An der nächsten Station steigt die motz-Verkäuferin ein, die ihren gewöhnlichen Text, gewohnt monoton, aufsagt und heute sogar mal eine Zeitung los wird. Ein Touristenpärchen aus Bayern, die eigentlich ganz beschäftigt sind mit ihren U- und S-Bahn Plänen und damit, in welcher Bahn sie jetzt sitzen, haben sich eine Motz gekauft. Neben ihnen beruhigt eine junge Mutter ihr kleines Baby im Kinderwagen und erklärt ihrer Tochter auf dem Schoß auf Englisch, warum sie morgen wieder zur Schule muss. Derweil fängt das Baby an zu lachen, weil der hübsche junge Mann, der neben dem Wagen steht, Grimassen schneidet.

U-Bahn fahren in Berlin

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